|
TV Zeitungsartikel: 17.02.2007 Von der Heilkraft der Pferde Von unserer Mitarbeiterin KATJA KRÄMER HOCKWEILER/TRIER. Auf einem Hof in Hockweiler (Kreis Trier-Saarburg) lernen chronisch kranke Kinder der Villa Kunterbunt in Trier, besser mit ihrer Krankheit umzugehen. Dank Spenden konnte jetzt ein kunterbunter Schäferwagen als Unterstand angeschafft werden. Stolz wie ein König sitzt Nico auf dem Pferd. Auch Sophia kann es kaum erwarten, endlich im Sattel zu sitzen. Auf den ersten Blick sieht alles nach einer ganz normalen Reitstunde aus. Doch das ist es nicht. Einmal in der Woche kommt Ulrike Schmitt-Klein, Sozialpädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, mit chronisch kranken Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren, die in der Villa Kunterbunt betreut werden, auf den Reiterhof nach Hockweiler. "Gemeinsam mit der Reitlehrerin versuche ich, den Kindern einen Raum zu schaffen, in dem sie sich selbst und als Gruppe mit anderen Betroffenen erleben zu können", erklärt Schmitt-Klein. "Ziel ist es natürlich auch, mithilfe der Tiere das durch die Erkrankung gestörte Köpergefühl der Kinder zu verbessern." Im Einklang mit der Erkrankung So etwa lernen zwei Kinder, die an Diabetes erkrankt sind, Bewegung und ihre Erkrankung in Einklang zu bringen. Konkret heißt das, sie kontrollieren ständig den Blutzuckerwert. "So bedeutet ein Wert von 290, dass das Kind nicht aufs Pferd darf, aber den Blutzuckerwert durch Arbeiten im Stall senken kann", erklärt die Therapeutin. Die Kinder erlernen zu erspüren, was ihr Körper braucht. Und dabei hilft das Pferd. Schmitt-Klein: "Über das Medium Tier passiert sehr viel." So etwa wird das Kind bei den vom Pferd ausgehenden Bewegungsimpulsen im Schritt an rhythmische Früherfahrungen des Getragenwerdens erinnert. "Dadurch entsteht ein Wohlgefühl, das den Therapieprozess begleitet", sagt die Reitlehrerin. Die Liste der Bedeutung ist lang, die das heilpädagogische Reiten hat: "Seelische Verkrampfungen werden gelockert, und das Pferd lockt mit seinem Verhalten Kinder aus ihrem Schneckenhaus." Ein Mädchen aus der Gruppe reagierte mit sozialem Rückzug auf ihre Probleme. Sie spricht nicht. "Auf dem Pferd hat sie angefangen zu sprechen", erzählt die Therapeutin, die einmal in der Woche den Erfolg sehen und in diesem Fall hören kann. Allerdings wurde bislang die erfolgreiche Arbeit dadurch erschwert, dass auf dem Reitplatz ein Unterstand fehlte, wo die Kinder ihre Werte messen oder eine kurze Verschnaufpause machen können. Die Therapeutin nahm einige Hürden, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Die Bowo-Schäferwagen-Manufaktur machte einen Sonderpreis. Die Firma Benninghoven aus Mülheim/ Mosel ließ der zur Krankenanstalt Mutterhaus der Borromäerinnen gehörenden Villa Kunterbunt eine großzügige Spende zukommen. Patchworkerin Mary Wächter gestaltete hübsche Kissen für den Innenraum. Jetzt steht der Schäferwagen in den Farben der Villa Kunterbunt auf dem Reitplatz. Seit September 2005 wird das Projekt "Heilpädagogisches Reiten" vom Verein von Betroffene für Betroffene finanziert. "Ab August 2007 möchte ich das Projekt als festen Bestandteil in das Konzept der Heilpädagogik aufnehmen", sagt die Therapeutin und blickt in ein strahlendes Kindergesichter. Weitere Infos: www.villa-kunterbunt-trier.de
|